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Umgang mit Stinkstiefel Teil 8: Die Eistonne

Die Redensart „Von der Hand in den Mund“ wurde wahrscheinlich von jemand erfunden, der mit einer sozialen Eistonne zusammengearbeitet hat. Solche Eistonnen können fachlich hochqualifiziert sein oder sonstige wichtige Fähigkeiten haben, aber wenn es um die Interaktion mit Vorgesetzten, Kollegen oder Kunden geht, dann sind diese Personen komplett neben der Spur.

Wenn die Eistonne ehrlich sein will, fährt sie Dir „mit dem Arsch ins Gesicht“. Wenn sie freundlich oder höflich sein möchte, klingt es meistens gekünstelt. Wenn sie im Stress ist, wird sie schroff. So kommt es auch nicht überraschend, dass die Eistonne im Arbeitsumfeld meistens geächtet oder ausgestoßen ist.

Personaler sollten ihr gut geschultes Auge darauf richten, solche Personen schnell zu erkennen und gar nicht erst einzustellen. Es ist einfacher, einem „normalen“ Anfänger zu erklären, wie er seinen Job erledigen soll als einer Eistonne sozial korrektes Verhalten einzutrichtern.

Das Einzige, was man bei einer Eistonne vorhersagen kann, ist, dass man nichts vorhersagen kann. Vielleicht hat er oder sie einfach Angst, Fehler zu machen oder ausgelacht zu werden. Oder vielleicht ist es der Eistonne auch völlig egal, was andere denken. Manchmal ist es auch einfach beides – nur eben nicht zur selben Zeit.

Aber keine Angst, Du brauchst jetzt nicht verzweifeln, wenn Du schon eine oder mehrere Eistonnen in Deinem Team hast. Einige Verhaltensexperten behaupten nämlich, dass es möglich ist, die raue Schale solcher Personen zu knacken. Irgendjemand muss diesen Prozess eben einfach irgendwann in Gang bringen und warum solltest das nicht gleich Du sein…

Beispiel:

Nadine hat sich beim letzten Team-Meeting wieder unausstehlich verhalten, doch im Anschluss an das Meeting trifft ihre Vorgesetzte sie auf der Toilette heulend auf. Nadine sagt zu ihr, sie war nervös und wenn sie die Nerven verliert, sagt sie dann Dinge, die sie nicht so meint. Die Vorgesetzte nimmt die Begründung zur Kenntnis, hat aber keine Zeit für ein längeres Gespräch, weil sie bereits in ihr nächstes Meeting muss.

Ein paar Tage später sieht sie, wie Nadine beim Empfang einen Lieferanten anschnauzt. Aufgrund vieler derartiger Vorfälle denkt sie sich zunächst, dass es ihr scheinbar einfach egal ist, was andere Leute von ihr denken, aber dann denkt sie an den Vorfall bei der Toilette zurück und fragt sich, ob Nadine vielleicht irgendetwas an dieser Situation wieder nervös gemacht hat?

Sie entschließt sich dazu, ihr eine E-Mail zu schreiben, in der sie Nadine fragt, ob es ein Problem mit dem Lieferanten gab und was genau los war. Bis sie nicht mehr von Nadine wusste, wollte sie nichts unternehmen. Schließlich kommt die Antwort: „Ich hab dem Affen schon drei Mal gesagt, dass sie die Verträge in stärkere Kuverts packen sollen, weil sie sonst immer zerknittert ankommen. Und jetzt kommt der Typ wieder mit einem Kuvert daher, bei dem man Angst haben muss, dass man sich nicht schneidet, weil es so dünn ist! Das ist einfach ein Idiot!“. Dieses Mal war es also nicht die Nervosität, sondern die Fehlleistung eines Lieferanten, die Nadine außer Kontrolle geraten ließ.

Welche Schäden richten Eistonnen an?

  • Mit Eistonnen zusammenzuarbeiten ist nie „business as usual“. Manchmal schließt man sie schon ins Nachtgebet ein oder bekniet sie, dass sie sich beim Besuch eines wichtigen Kunden normal verhalten.
  • Längere Ruhephasen garantieren nicht, dass es nicht wieder zu Aussetzern kommt. Da wird dann schon einmal überraschend der Hörer auf das Telefon geknallt, weil der Lieferant nicht pünktlich liefern kann oder dem Kunden, der die Hose lieber in einer anderen Farbe hätte, erklärt, dass er doch woanders einkaufen soll oder der Kollegin erklärt, dass sie noch immer fett aussieht, obwohl sie gerade erzählt, dass sie ein paar Kilos abgenommen hat. Das Verhalten von Eistonnen ist ungefähr so einschätzbar wie die Lottozahlen der kommenden Woche. Warum, kann und muss Dir eigentlich egal sein. Für Dich geht es darum, den Freak wieder einigermaßen auf Schiene zu bringen und ihn so lange wie möglich in den Gleisen zu halten.
  • Wertvolle Zeit wird verschwendet, wenn sich die Eistonne wieder einmal daneben benimmt. Deine Mitarbeiter sollten sich auf ihren Job konzentrieren können anstatt sich mit den Verhaltensweisen eines Halbwahnsinnigen rumschlagen zu müssen. Oft ist es dann auch noch so, dass man Prozesse oder Verhaltensweisen anpassen muss, nur damit von der Eistonne keine Gefahr ausgeht, dass sie wieder einmal durchdreht.
  • Eistonnen können sich einfach nicht in andere einfühlen und die Konsequenzen ihres Verhaltens sind ihnen auch völlig egal. Sie überschreiten ständig Grenzen und wenn man als Vorgesetzter nicht eingreift, verliert man den Respekt und die Anerkennung des ganzen Teams. Das ist auf Dauer furchtbar anstrengend.
  • Das Verhalten fällt letztendlich auf das Unternehmen zurück. Wenn sich die Eistonne bei Lieferanten oder Kunden daneben benimmt, werden sich diese Fragen, wie das Unternehmen nur solche Personen beschäftigen kann. Das ist ein großer Imageverlust für das Unternehmen und kann auch dazu führen, dass wichtige Kunden aus diesem Grund nicht mehr kaufen.

Welche konkreten Handlungsempfehlungen gibt es für den Umgang mit Eistonnen?

  • Sprich Dich mit denjenigen im Unternehmen ab, die für die Einstellung neuer Mitarbeiter verantwortlich sind und mache sie auf die Wichtigkeit der Erkennung dieses Verhaltens aufmerksam! Es gibt viele Persönlichkeitstests, anhand derer solche Verhaltensweisen schnell erkennbar werden. Populäre Beispiele dafür sind der Myers-Briggs-Test oder der Big-Five-Test. Im Internet finden sich zahlreiche Informationen und auch der ein oder andere kostenlose Einstiegstest dazu, beispielsweise hier: https://de.outofservice.com/bigfive/. Doch auch ohne diese Tests ist solch auffälliges Verhalten in einem Job-Interview oft gut erkennbar, wenn man darauf trainiert ist, auf die richtigen Signale zu achten.
  • Schicke Deine Mitarbeiter zu Seminaren zum Thema „Business Etikette“ oder abonniere entsprechende Newsletter. Refresher zu diesem Thema sind für jeden gut und wichtig, nicht nur für die Eistonne. Weitere wichtige Themen in diesem Zusammenhang sind beispielsweise auch „Körpersprache“ oder „richtiges Zuhören“.
  • Nütze alle Möglichkeiten, um korrektes Verhalten zu einem Dauerthema zu machen! Du kannst Plakate mit entsprechenden Botschaften, wie zum Beispiel „Wenn Du sprichst, wiederholst Du nur, was Du schon weißt, aber wenn Du zuhörst, kannst Du etwas Neues lernen!“ in den Gängen oder in Besprechungsräumen aufhängen. Versuche auch selbst, bei dem Thema dazuzulernen und stets mit gutem Beispiel voranzugehen.
  • Erkläre der Eistonne die Auswirkungen seines Verhaltens! Oft wissen solche Leute gar nicht, dass sie einen Schaden anrichten. Bereite Dich auf so ein Gespräch gut vor und mache Dir Notizen darüber, wie sich die Eistonne bei entsprechenden Vorfällen in der Vergangenheit verhalten hat und welche Auswirkungen das für das Unternehmen hatte. Vermeide dabei aber Diskussionen und verlange von der Eistonne auch keine Rechtfertigung für sein Verhalten. Im Gegenteil: sag vorher, dass es Dir nur um die Erklärung der Auswirkung geht.
  • Sei vorsichtig mit Auszeichnungen und Belobigungen, wenn die Eistonne eventuell das Unternehmen verlassen muss. Auch wenn Du dabei nur sehr sachlich mit dem Lob vorgehst und nichts ausschmückst, kann dieses Lob im Bedarfsfall gegen Dich verwendet werden und die Eistonne denkt: „Mit meinem Job war er ja scheinbar zufrieden, also muss es was anderes gewesen sein, warum er mich loswerden wollte. Wahrscheinlich mag er mich nicht oder ich bin zu fett oder ich habe zu viel Geld verdient!“. Die Eistonne schafft es in solchen Situationen dann zumindest noch, Dein Image im Unternehmen anzukratzen.
  • Rede mit der Eistonne – nicht nur beim jährlichen Performance-Gespräch, sondern auch zwischendurch. Dadurch lernst Du ihn besser kennen, kannst ihn besser einschätzen und er merkt, dass er in Deinem Blickfeld ist und passt sein Verhalten vielleicht deshalb an.

Zusammenfassend:

Grundsätzlich arbeitet jeder von uns gerne mit Menschen zusammen, die er mag. Die Eistonne gehört da meistens nicht dazu. Sie wird meistens aus dem Kollegenkreis verbannt und ist dann durch sein Einsiedlerdasein auch entsprechend unproduktiv. Wenn die Eistonne aufgrund ihrer fehlenden Empathie wieder einmal eskaliert, trägt immer das Unternehmen dafür die Konsequenzen und erntet mindestens Geringschätzung. Gewissenhafte Unternehmer und Führungskräfte lassen so etwas nicht zu. Wenn sich die Eistonne nach einer Zeit nicht von selbst ändert, hast Du nur noch die Möglichkeit, ihn irgendwo hinzusetzen, wo er keinen Schaden anrichten und trotzdem produktiv arbeiten kann. Wenn das nicht praktikabel ist, hast Du wohl keine andere Wahl, als die Zusammenarbeit zu beenden.

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martin-schmidt

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