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Fehler #6: Du willst vorhandene Probleme sofort lösen!

Dieser Fehler klingt zunächst so ähnlich wie Fehler Nummer 5 „Du willst ab sofort alles anders machen“. Doch es ist etwas anderes damit gemeint.

Während es bei Fehler Nummer 5 eher darum geht, ungestüm und ohne Rücksicht auf Verluste zu agieren und somit Dein komplettes Umfeld zu verstören und zu verärgern, passiert bei Fehler Nummer 6 das genaue Gegenteil:

Du versuchst, Probleme zu lösen, weil Du damit billige Popularitätspunkte sammeln möchtest, indem Du es einfach allen recht machst.

Ein Beispiel: ein Mitarbeiter von Dir kommt am dritten Tag zu Dir ins Büro und erklärt Dir, dass er gerne an einem anderen Platz im Büro sitzen möchte. Das sei auch gar kein Problem, da dieser Platz im Moment ohnehin frei ist und so könnte er ja einfach auf den freien Platz übersiedeln. Du denkst Dir: „na gut, ist ja nicht viel dabei und wenn es ihm dann besser geht, dann soll er eben auf den freien Platz übersiedeln!“. Er geht zufrieden aus Deinem Büro und beginnt mit der Übersiedelung. Sehr gut, Problem gelöst Du kleiner Held und Karma-Punkte gesammelt!

Wirklich? Nur zum Teil! Denn wie Du nun selbst aus Deinem Büro kommst, sind drei Augenpaare auf Dich gerichtet, die Dich finster ansehen. Warum? Weil nun der Kollege, der sehr schlampig ist und alles auf den umliegenden Schreibtischen ablegt und dazu noch sehr laut bei Kundengesprächen telefoniert, genau in ihrem Zentrum sitzt. Vielleicht hättest Du also doch eher die Gesamtsituation betrachten sollen, bevor Du Dir diesen „Quick Win“ gesichert hast.

Das ist jetzt nur ein winzig kleines Beispiel und eine von vielen Möglichkeiten, gleich am Anfang eine Entscheidung zu treffen, die weitreichendere Konsequenzen haben könnte, als Du Dir in einer unüberlegten Minute hättest vorstellen können. Viele Mitarbeiter haben vielleicht nur auf den Moment gewartet, den „Neuen“ kalt zu erwischen.

Am Ende stehst Du schlecht da, obwohl es im Grunde genommen Deine Intention war, jemandem einen Gefallen zu tun.

Für diese Vorgehensweise sind vor allem Personen anfällig, die schwer Nein sagen können und deren Antrieb es ist, es möglichst allen Menschen recht zu machen.

Solche Leute machen das meistens nicht aus einer guten Laune heraus, sondern weil es ihnen wirklich wichtig ist, wie es den anderen Menschen geht. Nur leider vergessen sie eben oft dabei, dass eine Entscheidung auch bewirken kann, dass es zwar nun einem Mitarbeiter damit sehr gut geht, drei anderen aber vielleicht viel schlechter.

Vor allem hat das aber noch einen anderen fatalen Hintergrund: wenn man immer will, dass es allen anderen gut geht, dann bleibt man meistens auch selbst auf der Strecke und es geht einem selbst nicht gut damit. Dieser Kreislauf wird nie aufhören: die Leute werden immer mehr von Dir wollen und Du wirst immer wieder den Drang verspüren, es ihnen wieder recht zu machen, damit Du Dich in Deiner Beliebtheit sonnen kannst.

Diese Beliebtheit hat einen hohen Preis: sie wird Dich über kurz oder lang zur Erschöpfung, oder wie man es neudeutsch so schön nennt, ins Burnout führen.
Am Ende bist Du also ausgelaugt und hast trotzdem nicht den Erfolg, den Du Dir gewünscht hast.

Falls Du anfällig für so eine Vorgehensweise bist, dann ist zunächst eine Lektion ganz wichtig: Du musst lernen, Nein zu sagen. Am Anfang wird Dir das zwar körperliche Schmerzen bereiten, weil Du es nicht gewöhnt bist, doch mit der Zeit wird es Dir immer besser damit gehen.

Nein sagen kann man tatsächlich lernen. Es gibt ein paar Aspekte, die es auf jeden Fall erleichtern:

  • Sag nicht immer gleich Ja, sondern nimm Dir erst einmal eine Bedenkzeit. So ist es nicht mehr so leicht, Dich zu überrumpeln und Du schaffst Dir eine kurze Nachdenkpause, in der Du nicht mehr ausschließlich von Deinen Gefühlen geleitet wirst.
  • Wahrscheinlich hast Du den Eindruck, dass es einfach brutal ist, Nein zu sagen und Du kommst Dir dabei vor, wie der Imperator des römischen Reiches. Es gibt ein paar Dinge, die die Brutalität Deines Neins abfedern:
    • Begründe, warum Du so entschieden hast (aber rechtfertige Dich nicht dafür!).
    • Zeige Verständnis für die Situation des Fragenden (aber bleib trotzdem standhaft!).
    • Bedanke Dich für Vorschläge (aber lehne Sie trotzdem ab!).
    • Mach ein gutes Gegenangebot.
  • Versuche, die Strategien zu durchschauen: Überrumpelung, Mitleidstour, Auslösung von Schuldgefühlen, Druck, kleine Erpressungen. Glaube mir: es gibt in jedem Team Leute, die diese ganze Klaviatur beherrschen.
  • Überlege Dir genau, was Dein „Ja“ kostet. Die Währung kann dabei ganz unterschiedlich sein: Zeit, Energie, Kraft, Stress, Ärger und vieles mehr. Und das nur, weil Du Dich einen Moment lang nicht beherrschen konntest.
  • Du bist kein schlechter Mensch, wenn Du „Nein“ sagst, also erlaube es Dir. Im Gegenteil, das Spiel läuft ungefähr so: wenn Du immer Ja sagst und einmal Nein, dann wird es Dir negativ ausgelegt. Sagst Du aber tendenziell sehr oft Nein, ist ein Ja von Dir viel mehr wert und Du wirst für dieses Eine, aber entscheidende Ja wesentlich mehr geschätzt.

Also: bleib standhaft, höre Dir erst einmal alles an und mache Dir selbst einen Eindruck von den Dingen, die um Dich herum passieren. Höre Dir auch andere Meinungen dazu an, nimm Dir eine Bedenkzeit, bevor Du eine Entscheidung triffst und bleib standhaft, wenn Du jemandem einen Standpunkt kommuniziert hast. Nur so wirst Du auf lange Zeit auch die entsprechende Anerkennung von Deinen Mitarbeitern bekommen.

Eine Führungskraft, die zu jedem Vorschlag Ja und Amen sagt, ist keine Führungskraft, sondern eine Marionette.

 

PS: Das E-Booklet mit allen 10 Tipps kannst Du hier um 99 Cent erwerben. 😉

PPS: Sozusagen als Bonus-Track zu den 10 Tipps habe ich auch noch einen Projektplan, wie Du die ersten 100 Tage angehen kannst, erstellt. Den kannst Du Dir hier runterladen.

Projektplan

martin-schmidt

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