0

Führungsfehler #5: Du willst ab sofort alles anders machen!

Diesen Fehler kennst Du wahrscheinlich, weil die meisten von uns in der umgekehrten Position schon einmal davon betroffen waren: Du hast in einem Team oder in einer Abteilung gearbeitet, Deine alte Führungskraft ist gegangen, weil sie beispielsweise in eine andere Position befördert wurde und nun kommt ein neuer Chef, der sofort frischen Wind in den Laden bringen möchte.

Statt dem trägen alten Ochsen kommt jetzt ein junger Stier, der den alten Kühen einmal so richtig zeigen möchte, wo der Hammer hängt und der es, jetzt wo er endlich die Gelegenheit dazu bekommt, allen zeigen möchte, wie man so einen Job wirklich erledigt.

Falls Du jemals in dieser Situation warst: was hast Du Dir über den neuen Chef gedacht? Wahrscheinlich so etwas wie „er wird sich schon beruhigen, wenn er erst einmal erkannt hat, wie der Laden hier läuft“ oder „soll er sich eben seine Hörner abstoßen“ oder „das könnte bitter für ihn enden“!

Diese Vorgehensweise ist nicht nur unüberlegt und dumm, sondern auch eine komplette Respektlosigkeit allen Vorgängern, der eigenen Führungskraft und seinem neuen Team gegenüber. Denn mit diesen Handlungen mache ich ja nichts anderes, als alle anderen darauf hinzuweisen, was für Tölpel sie doch sind und wie sie bereits seit Jahren diesen Laden ins Verderben führen.

In manchen Ausgangssituationen mag diese Ansicht sogar durchaus richtig sein, doch auch in diesen Fällen bringt es erst einmal gar nichts, das auch dem kompletten Umfeld auf die Nase zu binden.

Behutsamkeit ist am Anfang gefragt. Niemand erwartet von Dir, dass Du Deine Ziele innerhalb der ersten drei Tage erreichst.

Mit den Inhalten aus den ersten vier Fehlern ist die Vorgehensweise ohnehin schon geklärt: sieh Dich einmal um, mach Dir ein Bild von allem, rede mit Deinem Vorgesetzten, rede mit Deinen Mitarbeitern, überlege Dir dann, wo der Schuh drückt und was Du verbessern möchtest, setze Dir die entsprechenden Ziele dazu und kommuniziere diese Ziele dann in aller Ruhe an Dein Umfeld.

Nur dann kannst Du nämlich auch fundiert begründen, warum Du etwas ändern willst oder warum es Dir so wichtig ist, ein oder mehrere bestimmte Ziele zu erreichen.

  • Gehe also bitte nicht am ersten Tag in das Büro Deiner Mitarbeiter und gib ihnen die neue Sitzordnung bekannt.
  • Ändere nicht in der ersten Woche die seit Jahren bestehende Pausenregelung Deines Teams, auch wenn Du der Meinung bist, dass sie verbesserungswürdig ist.
  • Sage Deinen Leuten nicht in den ersten 14 Tagen, dass das vorhandene Bestellformular, das sie im Einsatz haben, ineffizient ist und lege ihnen ein neues hin, ohne mit ihnen vorher darüber gesprochen zu haben.
  • Gründe im ersten Monat kein neues Projekt, das zum Ziel hat, die alte Kundenverwaltungssoftware, die das Unternehmen seit Jahren im Einsatz hat, in den nächsten sechs Monaten abzulösen.
  • Gehe in den ersten zwei Monaten nicht zu Deinem neuen Chef und lege ihm ein Organigramm mit einer neuen Teamstruktur vor, mit dem seine Mannschaft besser funktionieren würde.

Ja, Du hast wahrscheinlich bemerkt, dass ich hier ein paar Beispiele mit bewusster Übertreibung gewählt habe, weil ich Dir einfach die Unsinnigkeit solcher Maßnahmen verdeutlichen will. Aber auch, wenn die Maßnahmen nicht so drastisch ausfallen wie in den Beispielen, sind sie jedes Mal kleine Nadelstiche für Deine Mitarbeiter oder Deinen Chef.

Vielleicht ist das Bestellformular eine Herzensangelegenheit von Frau Müller gewesen und sie hat das Formular vor drei Monaten neu entworfen und ist von allen Seiten dafür gelobt worden? Stelle Dir nun vor, was sie von Dir hält, wenn Du es ohne die genaue Story darüber zu kennen, einfach wieder abschaffen willst.

Vielleicht ist die Kundenverwaltungssoftware wirklich der letzte Mist und Du hast das schon in den ersten Tagen sehr gut erkannt. Aber was hilft Dir das, wenn Frau Berger aus dem Vorstand mit dem Chef der Software-Firma verheiratet ist? Du hast sicher einen Riesenstein im Brett bei ihr, wenn sie aus der IT-Abteilung erfährt, dass da jemand die Existenz ihres Mannes zerstören möchte.

Sei in den ersten Tagen und Wochen also kein junger Stier, sondern versuche eher, wie  ein schlauer Fuchs zu agieren. Einer, der sich alles in Ruhe ansieht und beobachtet und seine Erkenntnisse daraus ableitet, um dann alles im Griff zu haben und vorbereitet zu sein, wenn es wirklich ernst wird.

In der Praxis bedeutet das für Dich: natürlich sollst Du diese Phase des Neuankommens nützen, um Schwächen zu erkennen. Du hast gegenüber den anderen den Riesenvorteil, dass Du noch nicht betriebsblind bist. Schon in ein paar Monaten hast Du diesen Vorteil verloren.

Mach Dir also Notizen und schreibe Dir alles auf, was Dir auffällt. Das ist zwar zu Beginn mühsam, doch wenn Du diese Notizen in einem halben Jahr oder Jahr ansiehst, wirst Du Dich wundern, was Dir damals alles aufgefallen ist. Das ist genau dann Dein Ideenpool, wenn Du Deine ersten Ziele erreicht hast und dann vielleicht keine Ahnung hast, was Du noch angehen solltest.

Zusammengefasst: wenn Du Dich nicht sofort unbeliebt machen und auf Widerstand Deiner Mitarbeiter stoßen möchtest, dann bringe ihnen zunächst einmal die Wertschätzung entgegen, die sie für ihre bisherige Arbeit verdienen und höre ihnen zu. Dadurch lässt Du ihnen auch Anerkennung zukommen und in diesem Zustand fällt es ihnen mit Sicherheit leichter, gemeinsam mit Dir zu überlegen und zu besprechen, wo es Optimierungspotential gibt. So fühlen sie sich in den kompletten Prozess eingebunden und werden sich auch damit identifizieren.

Oder noch kürzer zusammengefasst: Lass Dein Superman-Kostüm am ersten Tag bitte zuhause!

 

PS: Das E-Booklet mit allen 10 Tipps kannst Du hier um 99 Cent erwerben. 😉

PPS: Sozusagen als Bonus-Track zu den 10 Tipps habe ich auch noch einen Projektplan, wie Du die ersten 100 Tage angehen kannst, erstellt. Den kannst Du Dir hier runterladen.

Projektplan

martin-schmidt

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.