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Mentale Stärke für Führungskräfte Teil 18: Komm runter!

Kumm oba, du eifrig’s Kind, du orbeitest z’hort und mochst olls vüi z’gschwind! Wenn du so gscheid bist, sog warum host so an Stress? (c) Granada, österreichische Rockband im Song „Wien wort auf di“

(Übersetzung: Komm runter, du fleißiges Kind, du arbeitest zu hart und machst alles viel zu schnell. Wenn Du so schlau bist, warum hast Du dann so viel Stress?)

Runter kommen! Gar nicht so einfach bei den Anforderungen, die täglich an einen gestellt werden. In der heutigen Zeit fühlen wir uns immer ein wenig im Rückstand. Wir kommen vor lauter Reagieren gar nicht mehr zum Agieren. Ständig sind wir damit beschäftigt, diesen Rückstand aufzuholen und in einen Vorsprung zu verwandeln. Doch das ist eine Illusion: durch die ständige Erhöhung unseres eigenen Tempos erhöht sich auch der Gesamtspeed der Umgebung und Du hinkst weiter hinterher.

Die Lösung dafür ist genauso banal wie brutal: finde Dich einfach damit ab!

Wichtig ist, dass Du Dir einerseits einen guten Ausgleich zu diesem Stress suchst und Dich andererseits damit beschäftigst, wie Du Dein Leben generell gestaltest, um damit künftig besser fertig zu werden.

Die schlechte Nachricht: es gibt nicht die pauschale Allgemeinlösung, mit der es dann jedem gut geht. Aber es gibt ein paar Themen, mit denen Du Dich beschäftigen und Deine persönlichen Handlungen daraus ableiten solltest.

Sehen wir uns einmal ein paar davon an:

Ernährung

Die falsche Ernährung ist zwar oft nicht Auslöser oder Ursache für Deinen Stress, aber ein massiver Verstärker. Der Teufelskreislauf beginnt damit, dass Du aufgrund Deines hohen Arbeitspensums gefühlt keine Zeit mehr dafür hast, Dich jetzt auch noch gesund zu ernähren und stattdessen zu Fast Food oder Süßigkeiten greifst, weil das einfach schneller und bequemer ist. Doch der Zeitaufwand für gesunde Ernährung macht sich bezahlt: die Leber wandelt die Nahrung in Energie für Deine Muskeln um und ist meistens dadurch, dass Du gestresst bist, ohnehin schon überlastet. Gönn Deinem Körper also bitte gesunde Nahrung.

Bewegung

Wir wollen ja nicht gleich mit Hochleistungssport beginnen. Viel mehr geht es zunächst darum, einen freien Kopf zu bekommen. Dafür reichen schon 5 Minuten an der frischen Luft. Aber möglichst ohne Dein Mobiltelefon oder anderen Störfaktoren.

Die Steigerung davon sind regelmäßige ausgiebigere Spaziergänge, idealerweise in der Natur abseits von Straßenlärm und Hektik. Spazieren ist erwiesenermaßen die einfachste und günstigste Form zur Reduzierung des Risikos für die unterschiedlichsten Krankheiten wie beispielsweise Alzheimer, Herzinfarkte, Bluthochdruck, grünem Star, Gelenk- und Rückenbeschwerden und vielem mehr.

Dazu kommt noch der positive Effekt, dass Du durch die Sonnenstrahlen auch Vitamin D aufnimmst, dass Dein Körper über das UV-Licht aufnimmt und mehrere Wochen bis Monate speichern kann. Das wiederum senkt Dein Risiko für Knochenerkrankungen und (Darm-)krebserkrankungen.

Wenn Du noch einen Schritt weiter gehen willst, dann kannst Du Dir auch eine passende sportliche Betätigung für Dich suchen, die Du regelmäßig  betreiben möchtest. Durch die damit verbundene Ausschüttung der Glückshormone steigerst Du Deine Konzentrationsfähigkeit und bist ausgeglichener und zufriedener, was wiederum das Bewältigen Deines Arbeitspensums erleichtert. Wichtig ist, dass Du Dir eine Betätigung suchst, die Dir Ausgleich zum stressigen Alltag bietet und Dich nicht zusätzlich überfordert und stresst.

Schlaf

Nur wenn Du Deiner Maschine ausreichend Erholung gönnst und sich Deine Akkus wieder voll aufladen können, bist Du am nächsten Tag wieder voll leistungsfähig. Das klingt total logisch, oder? Deswegen ist es umso erstaunlicher, dass genau bei diesem Punkt viele Menschen Abstriche machen, um ihr Pensum zu bewältigen. Das bringt natürlich eine Abwärtsspirale in Gang: der Akku ist jeden Tag weniger geladen, was dazu führt, dass immer weniger Energie vorhanden ist, was wieder dazu führt, dass noch weniger auf einen erholsamen Schlaf geachtet wird.

Daher hier ein paar Gründe, warum der Schlaf so wichtig ist: die Stresshormone Adrenalin und Cortisol werden abgebaut (na, dämmert es?), Entzündungen und damit das Risiko für Krebserkrankungen werden reduziert, der Appetit wird reguliert und verhindert damit das Risiko für Übergewicht, das Risiko für Herzerkrankungen und Depressionen senkt sich ebenfalls dramatisch.

Wichtig ist daher auch, mögliche Schlafhindernisse zu überprüfen und zu beseitigen. Was ist damit gemeint? Ablenkungen im Schlafzimmer wie Fernseher, Tablets oder Mobiltelefone, Essen, Kaffee oder Alkohol kurz (zumindest 2 bis 3 Stunden) vor dem zu Bett gehen, ein schlechtes Bettzeug (Polster, Decke, Matratze), die Raumtemperatur (ideal sind 16 bis 18 Grad Celsius) oder beispielsweise zu viel Helligkeit durch wenig blickdichte Vorhänge oder indirekte Beleuchtung.

Raumklima

Das ist einer der Faktoren, den man nicht gleich auf dem Schirm hat, aber das Raumklima spielt im Zusammenhang mit Stress ebenfalls eine große Rolle. Die empfohlene Raumtemperatur liegt zwischen 20 und 22 Grad Celsius, die Luftfeuchtigkeit sollte zwischen 45 und 55 % liegen. Diese Dinge lassen sich durch Maßnahmen wie richtiges Heizen, richtiges Lüften oder auch den Umgang mit Pflanzen und die Positionierung von Möbeln beeinflussen.

Zu beachten ist dabei aber, dass der Wohlfühlbereich beim Raumklima sehr unterschiedlich ist. Rücksicht auf Kollegen und Mitbewohner ist also auch hier geboten. Dennoch kann man sich immer auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner einigen. Die Wohnung oder das Büro ein paar Minuten ordentlich durchzulüften, ist jedenfalls (fast) immer eine gute Idee.

Süchte

Alkohol, Kaffee, Nikotin, Süßigkeiten, Online-Spiele, Social Media, Shopping,…

Auch hier haben wir ein Henne-Ei-Problem: Süchte verursachen Stress und Stress ist oftmals Auslöser für Süchte.

Wichtig ist, genau zwischen Genuss, Laster und Sucht zu unterscheiden. Denke an Deine Angewohnheiten und überlege, was Dir gut tut und was Dir schadet. Genüsse können bleiben, Laster gehören überdacht und Süchte müssen weg. Achte dabei auch darauf, dass Du Dich nicht von jeder Sucht selbst heilen kannst und suche Dir im Zweifelsfall Experten, die Dir dabei helfen können.

Die beste Suchtprävention ist ein gutes soziales Umfeld und ein Lebensstil mit Zielen, Inhalten und Hobbies, damit Du erst gar nicht in diese prekäre lage gelangst. Doch das redet sich natürlich einfach, solange man noch nicht davon betroffen ist…

Nachdem wir uns nun mit all diesen Faktoren beschäftigt haben, die den Stress verursachen können, möchte ich Dir zum Abschluss dieses Artikels noch den wichtigsten Tipp mit auf den Weg geben:

Suche Dir Deine Erholungstankstelle(n)!

Was ist damit gemeint? Jeder von uns benötigt einen sinnvollen Ausgleich für seinen Alltag und der sollte sich idealerweise davon unterscheiden, was Du sonst so den ganzen Tag machst.

Es macht also einen Unterschied, ob Du einen sehr denkintensiven Beruf hast oder den ganzen Tag sehr viel mit körperlicher Arbeit beschäftigt bist. Im einen Fall solltest Du Deinem Kopf eine Pause gönnen, im anderen Deinen Körper.

Die Möglichkeiten für Erholungstankstellen sind nahezu endlos. Damit Du Dir aber besser vorstellen kannst, was ich damit meine, zähle ich ein paar davon beispielhaft auf:

  • Saunagänge
  • Eine Weiterbildung abseits des Berufes
  • Ein Instrument lernen und spielen
  • Sport (alleine oder im Verein)
  • Ehrenamtliches Engagement
  • oder ein wenig exotischer: das Weiße Haus aus Holzklötzen nachbauen, Wasserschildkröten kaufen und pflegen, einen Roman schreiben, ein Computer-Spiel oder eine App entwickeln, einen Blog schreiben, eine Modellbahn bauen
Wichtig dabei ist nur, dass Du mit Deiner Erholungstankstelle niemand etwas beweisen musst. Es ist einfach eine Sache, die nur für Dich da sein und Dir dabei helfen soll, einen Ausgleich für Deinen Stress zu finden. Versuche es hier nicht, allen recht zu machen, wichtig ist einzig und allein, es Dir selbst recht zu machen!

 

 

martin-schmidt

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