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Kreatives Denken #2: Erschaffen oder erschlaffen

Zugegeben, das ist eine etwas anzügliche Überschrift. Doch was meine ich damit. Dominic Barton von Mckinsey & Co berichtete auf dem „Second Economic Times Global Business Summit“, wie sich die durchschnittliche Lebenszeit von Unternehmen im Laufe der Jahrzehnte verändert hat. Die durchschnittliche Lebenszeit der im S&P 500 gelisteten Unternehmen betrug 1935 noch sagenhafte 90 Jahre. Heute liegt sie ungefähr bei 18 Jahren und alle zwei Wochen verabschiedet sich im Schnitt ein Unternehmen aus dem System.

Was sollen uns diese Zahlen mitteilen? Ganz einfach: wenn Unternehmen nicht dazu bereit sind, innovativ zu denken und sich ständig selbst neu zu erfinden, riskieren sie, vom Markt zu verschwinden und von anderen Unternehmen verdrängt zu werden.

Kennst du dieses bekannte Sprichwort:„Wenn du immer nur das tust, was du schon immer getan hast, wirst du immer nur das dafür bekommen, was du schon immer dafür bekommen hast.“

Ich kann dir leider nicht mit Gewissheit sagen, wer der ursprüngliche Verfasser dieser Worte ist. Manche Quellen im Internet schreiben es Anthony Robbins zu, andere in immer wieder leicht abgewandelter Form Albert Einstein. Vielleicht war es ja auch Donald Trump, in letzter Konsequenz ist das auch egal, denn was ich dir eigentlich mitteilen möchte: Dieses Sprichwort hat in der modernen Arbeitswelt keine Gültigkeit mehr.

Heutzutage gilt: „Wenn du immer nur das tust, was du schon immer getan hast, dann wirst du schon bald hinter deine Mitbewerber zurückfallen oder ganz vom Markt verschwinden!“

Schöne Grüße an dieser Stelle an Kodak, Nokia, Blackberry, Schlecker und viele andere, die heute nicht mehr oder zumindest nicht mehr in ursprünglicher Größe vorhanden sind. Sie alle haben die Entwicklung verschlafen, weil sie meistens vor lauter Erfolg die Gelegenheiten übersahen, die ihnen auch in der Zukunft einen Vorsprung verschafft hätten.

Dennoch gibt es auch heute immer noch Manager oder ganze Unternehmen, die der Meinung sind, dass Kreativität ein netter kleiner Zeitvertreib ist. Wie ein schönes Bild, dass man sich in die Wohnung hängt und sich beizeiten daran erfreut, weil es so bunte Farben hat. So macht man einmal im Jahr einen Kreativitäts-Workshop mit den anderen Managern in lässiger Atmosphäre oder befestigt einen Innovations-Postkasten neben dem Portier, in dem die „einfachen“ Mitarbeiter ihre tollen Ideen einwerfen „dürfen“. Umsetzungswahrscheinlichkeit? Wenn Schweine fliegen können…

Kreativität sollte in modernen Organisationen fokussiert und gezielt vorangetrieben werden wie beispielsweise die Produktentwicklung oder die Personalauswahl.

Durch den Einsatz von „angewandter Kreativität“ sollen auftretende Probleme erkannt und gelöst sowie innovative Ideen für die Zukunft entwickelt werden.

Erfahrung und Wissen sind aber natürlich immer noch entscheidende Erfolgsfaktoren. Sie werden benötigt, um neue Ideen überhaupt erst fundiert beurteilen zu können. Das Zusammenspiel ists also entscheidend und das eine ist ohne das andere nichts wert. Kreativität führt letzten Endes dazu, neues Wissen ins Unternehmen zu bringen, durch das neue Ideen generiert werden, die letztendlich das Unternehmen entscheidend verändern können (und sollen).

Yahoo! hat die Art und Weise verändert, wie wir nach Informationen suchen. Google hat das Modell von Yahoo! genau analysiert, eigene Ideen dazu entwickelt und letztlich die Marktführerschaft bei der Suche nach Informationen übernommen. Netflix hat dafür gesorgt, dass wir heute anders fernsehen als noch vor wenigen Jahren. Doch andere Unternehmen sind bereits auf der Lauer und drängen in den lukrativen Markt. WhatsApp hat die Art verändert, wie wir miteinander kommunizieren. Doch wenn sich die App nicht weiterentwickelt, warten schon die nächsten heute noch unbekannten Player und werden die nächsten Milliarden-Unternehmen. Kodak war der Erfinder der Digital-Fotografie und wurde dennoch von ihr überrannt, weil die Manager ihre lukrativen Geschäftsfelder der analogen Fotografie nicht aufgeben wollten.

Die Beantwortung der folgenden beispielhaften Fragen ist eine gute Basis für die Generierung neuer Ideen:

  • Wie können wir mehr Kunden gewinnen?
  • Wie können wir unsere Prozesse modernisieren?
  • Welche Gelegenheiten gibt es am Markt für uns?
  • Wie können wir unsere Performance in Abteilung X/Y/Z steigern?
  • Wie können wir Problem X/Y/Z lösen?
  • Welche neuen Märkte können wir erobern?
  • Welche Märkte können wir erschaffen?
  • Wie könne wir Gesetzesänderung X/Y/Z für uns nützen?
  • Mit welchen Besonderheiten können wir Produkt X/Y/Z anreichern?
  • Wie kann ich mein Team motivieren?

Natürlich erkennen immer mehr Unternehmen den Wert von Kreativität.

In einer Umfrage aus dem Jahr 2014, die vom Organisationsforschungsinstitut vieconsult (https://vieconsult.at/) an über 1.000 Führungskräften in Deutschland und Österreich durchgeführt wurde, geben 77 Prozent der Befragten aus dem Top-Management an, dass Innovation für sie ein wichtiges Thema ist. 75 Prozent der Befragten sehen dabei die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen als wichtigen Innovationsfaktor. Noch wichtiger (80 Prozent) wird jedoch die Schaffung entsprechender kreativitäts- und innovationsförderlicher Rahmenbedingungen im Unternehmen gesehen.

Ein schönes Ergebnis. Man kann für die betroffenen Unternehmen allerdings nur hoffen, dass die befragten Manager ihren Worten auch Taten folgen ließen. Zumindest 80 Prozent sehen es zumindest in der Verantwortung der Führungskraft, Kreativität und Innovation voranzutreiben.

Bisher im Rahmen der Artikelserie erschienen:
#1: „Wissen ist Macht!“ Wirklich?

martin-schmidt

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