0

Umgang mit Stinkstiefel Teil 11: Der Manipulator

Der Manipulator ist raffiniert. Während der Tyrann sein Umfeld einschüchtert und belästigt, redet ihnen er gut zu oder beeinflusst sie genau so, wie er sie haben will, um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Man muss also ständig auf der Hut vor den raffinierten Tricks eines Manipulators sein.  Sie nehmen so gut wie nie Rücksicht auf andere Bedürfnisse oder Wünsche außer ihren eigenen.

Manipulatoren sind selten scheu und unaufdringlich und sind auch nicht daran interessiert, einen Streit einmal beizulegen. Sie haben meist eine hohe Meinung von sich selbst und sind auch der Ansicht, dass sie dafür von ihren Kollegen Anerkennung bekommen: „Da haben wieder alle schön geschaut, wie ich den Boss zur Weißglut gebracht habe!“.

Es ist nicht einfach, sie  zu entlarven. Am besten gelingt das, wenn man die Reaktion auf ein „Nein“ beobachtet. Wenn das ihrer Strategie entgegenläuft, schalten sie dann nämlich sofort einen Gang höher. Manipulatoren akzeptieren grundsätzlich kein Nein als Antwort. Wenn ihr Spiel durchschaut wird, geraten sie nicht selten komplett aus der Fassung. Die Folge sind Drohungen, Besitzansprüche, Beleidigungen und ungerechtfertigte Vorwürfe.

Beispiel:

Andreas Vorgesetzter hat beschlossen, für sein Team eine neue Video-Lernsoftware anzuschaffen, um sich künftig ein paar der teuren Seminare zu ersparen, die erforderlich sind, damit sein Team fachlich auf dem Puls der Zeit bleibt. Damit ist Andreas gar nicht einverstanden, weil er diese Seminare sehr gerne besucht und künftig nur ungern darauf verzichten möchte.

Doch das sagt er seinem Vorgesetzten nicht einfach so. Stattdessen nimmt er sich in Einzelgesprächen einen nach dem anderen Kollegen zur Seite und erklärt ihnen die generellen Nachteile von diesem System allgemein und den Nachteilen von Videolearning gegenüber „echten“ Seminaren. In der IT-Abteilung hat er bereits seine Bedenken geäußert, ob die aktuelle Hardware überhaupt den Anforderungen für diese sehr komplexe Software erfülle. Es wäre doch ein Desaster, wenn wir diese Ausgabe tätigen und dann funktioniert nichts. Wie stünde denn dann die IT da?

Als er zufällig in ein Gespräch mit dem Geschäftsführer verwickelt wird, schwärmt er ihm vor, wie sehr er die Weiterbildungsmöglichkeiten im Unternehmen schätzt und mit wie viel Motivation er jedes Mal von den Seminaren zurückkehrt.

Andreas Vorgesetzter hat von all dem noch keine Ahnung, doch Andreas hat sein Netz bereits gesponnen…

Welche Schäden richten Manipulatoren an?

  • Wenn man erst einmal weiß, dass man einen Manipulator im Team hat, vermuten bei ihm alle hinter allen Handlungen irgendwelche hintergründigen Motive. Man glaubt, dass er schon wieder irgendwas im Schilde führt und hat Angst davor, am Ende wieder einmal überrumpelt worden zu sein. Andreas geht öfter früher nach Hause und hat dafür immer einen guten Grund. Einmal ist es eine wichtige Besorgung, dann ein Termin, bei dem er unbedingt zu Hause sein muss, dann ist wieder jemand in der Familie krank. Immer ist es etwas anderes. Dafür hat er seinen Kollegen Peter „eingeweiht“: „Peter, es ist besser, der Alte weiß gar nicht, wo ich wirklich bin. Du bist doch ein Freund, auf Dich kann ich doch zählen, wenn er nachfragt, oder?“. Wenn der Vorgesetzte mal wieder bei Peter nachfragt, wo denn Andreas schon wieder ist, stammelt sich der eine Vage Begründung zusammen. Im Gegenzug dazu hat Andreas aber kein Problem, seinem Vorgesetzten zu sagen: „Hat Dir Peter nicht gesagt, dass ich früher gehe?“. Das nächste Mal, als Andreas Peter wieder einmal um einen Gefallen bittet, bleibt der stark und sagt nein. Die Folge? Peter wird zur neuen Zielscheibe für Andreas und schwärzt ihn bei jeder Gelegenheit an. Für alle anderen ist die Nachricht angekommen: sie versuchen, den Manipulator so gut es geht, zu meiden und selbst, wenn er gerade nichts im Schilde führt, vermuten sie das Schlimmste.
  • Der Manipulator handelt nicht im Sinne des Unternehmens. Selbst wenn er ein hochqualifizierter Mitarbeiter ist, liegt sein Fokus niemals darauf, was er für das Unternehmen machen kann. Er ist selbstbezogen, geht anderen so gut wie nie zur Hand und vom Grundsatz der Gegenseitigkeit hat er noch nie etwas gehört.
  • Irgendjemand muss immer den Babysitter spielen. Der Manipulator will ständig jemanden vor den anderen aus der Reserve locken oder verunglimpfen, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Für den Babysitter, in den meisten Fällen der Vorgesetzte, bedeutet das, sich für alle diese Situationen immer eine Gegenstrategie ausdenken und immer Partei für eine Seite ergreifen zu müssen. Viele Einzelgespräche sind erforderlich, um zu „kitten“.
  • Es wird niemals langweilig mit dem Manipulator. Und das meine ich nicht so positiv, wie es klingt. Manchmal ist es ja ganz schön, wenn es Abwechslung im Arbeitsalltag gibt, aber auf Dauer kann das sehr mühsam werden. Wenn man einen Manipulator im Team hat, der für seine Show ein Publikum braucht, dann kann man sicher sein, dass die Show schon bald wieder weitergehen wird. Eine Möglichkeit, das zu unterbinden, ist es, dem Manipulator sein Publikum wegzunehmen und ihn mit Tätigkeiten zu beauftragen, die er alleine erledigen muss. Wenn es möglich ist, die Arbeitsergebnisse gut zu messen, spricht auch nichts gegen den Versuch, den Manipulator ein bis zwei Tage pro Woche im Home-Office arbeiten zu lassen.
  • Die anderen Mitarbeiter nehmen sich Zeit, um das Spektakel, das der Manipulator veranstaltet, zu beobachten. Wenn man nicht selbst die Maus im Katz-und-Maus-Spiel ist, kann das ja ganz amüsant sein. Wir Menschen lieben einfach das System von „Brot und Spiele“. Die Folge davon sind unproduktive Zeiten für das Unternehmen.

Welche konkreten Handlungsempfehlungen gibt es für den Umgang mit Manipulatoren?

  • Knick nicht ein, wenn Du den Manipulator durchschaut hast! Als Andreas Vorgesetzter sein Spiel „Früher gehen“ durchschaut hat, hat er ihn zur Rede gestellt und ihm erklärt, dass das kein akzeptables Verhalten ist. Die Folge? Natürlich Vorwürfe und Anschuldigungen in alle Richtungen und sogar eine Kündigungsdrohung. Schließlich wird niemand gerne mit unerfreulichen Dingen konfrontiert – selbst der Manipulator nicht. Also wird er sich in den meisten Fällen dem Schicksal fügen, um den Frieden wiederherzustellen. Hätte der Vorgesetzte klein beigegeben, wäre das das „grüne Licht“ für Andreas gewesen, sein Spiel fortzusetzen und auszubauen.
  • Nimm Dir Zeit, um zuzuhören! Es ist natürlich verlockend, bei jedem Gespräch mit dem Manipulator gleich einmal seine dahinterliegenden Motive erahnen zu wollen. Besser ist es aber, zunächst einmal vorurteilsfrei in diese Gespräche zu gehen. Frage Dich, ob die Sorge oder das Anliegen des Manipulators in diesem Fall gerechtfertigt ist. Höre ihm gut zu bei seinem Vortrag und stelle ihm geschlossene, kurze Fragen, die er mit einem Wort beantworten kann und gelange so zu einer immer besseren Einschätzung der Lage. Vielleicht kommst Du dann zu dem Ergebnis, dass die Anforderung oder die Beobachtung des Manipulators in diesem Fall gerechtfertigt ist. Oder Du findest heraus, dass es nicht so ist und begräbst seinen Plan diesmal schon im Anfangsstadium.
  • Wenn Du einen anderen Standpunkt hast, teile es dem Manipulator in kurzen, klaren Worten mit! Es ist sehr wahrscheinlich, dass Du Deine Botschaft dabei ein paar Mal wiederholen musst, also bleib standhaft. Wenn sich das Gespräch dann trotzdem im Kreis dreht, sag dem Manipulator, dass Du jetzt andere Dinge zu tun hast – ein Meeting oder die Vorbereitung auf einen anderen Termin beispielsweise. Schließlich hast Du ihm eine einfach zu verstehende Anweisung gegeben und diese vielleicht auch mehrmals wiederholt. Wenn Dich der Manipulator trotzdem um einen Folgetermin bittet, wird sich dieser nur schwer vermeiden lassen, aber Du kannst die Rahmenbedingungen ändern. Bitte beispielsweise Deinen Vorgesetzten oder den HR-Leiter um Teilnahme an dem Meeting, wenn es darum geht, Andreas zu erklären, dass er nicht kommen und gehen kann, wann er will. Wenn er in das Meeting kommt und mit dem geänderten Umfeld konfrontiert ist, packt er seine Boxhandschuhe vielleicht gleich wieder ein. Der Manipulator bevorzugt die 1:1-Kommunikation, weil er da in seinem Spiel unbeobachtet den nächsten Zug machen kann.
  • Geh auf die Bühne, wenn der Manipulator seinen Auftritt hat! Deine bloße Anwesenheit kann den drohenden Flächenbrand schon im Keim ersticken. Stiehl ihm die Show und liefere dem Publikum kurze, sachliche Begründungen, die dem Anliegen des Manipulators entgegenwirken.
  • Schreibe Dir die Zeit auf, die Dich der Manipulator kostet! Manchmal denkt man sich, es ist einfach Schicksal, sich mit diesen nervtötenden Angelegenheiten beschäftigen zu müssen. Aber was heißt schon Schicksal? Wenn Du dir die Sachverhalte mit den jeweiligen Terminen und der Dauer notierst, bekommt die Sache eine andere Perspektive und Du siehst genau, wie viel Zeit Dich die Spielchen wirklich kosten. Wenn es vielleicht 15 bis 30 Minuten in der Woche sind, kannst Du eventuell darüber hinweg sehen, wenn der Manipulator sonst gute Arbeit leistet, andernfalls solltest Du darüber nachdenken, Dich von ihm zu trennen. Mit den Aufzeichnungen hast Du dann auch die entsprechende stichhaltige Begründung dafür, wenn Du es ihm mitteilst, denn es ist sehr wahrscheinlich, dass das Spiel damit noch nicht beendet ist und er seine Kündigung anfechten wird.

Zusammenfassend:

Der Manipulator mischt sich immer in fremde Angelegenheiten ein und Du kannst es Dir nicht erlauben, ihn auch nur für kurze Zeit unbeobachtet seine Spielchen spielen zu lassen. Im Kopf des Manipulators dreht sich alles um Fragen wie „Wo ist der Schwachpunkt?“ oder „Wie bekomme ich Aufmerksamkeit?“. Er bringt sich oft in Situationen ein, nur um eventuell wieder eine gute Gelegenheit zur Manipulation zur bekommen. Das eigentliche Vorhaben oder Ziel interessiert ihn dabei wenig, er hat seine eigenen Pläne. Du musst ständig auf der Hut sein vor diesen Tricks und Schwindeleien, damit im Team keine Unruhe entsteht und vor allem, damit die vorgegebenen Ziele erreicht werden können. Aber vergiss nicht: Du leitest keinen Spielplatz, sondern einen wichtigen Teil Deines Unternehmens. Wenn es Dir und anderen also nicht gelingt, den Manipulator zu bändigen, stehst Du wie auch schon bei ein paar anderen Stinkstiefel vor der letztendlich entscheidenden Frage: „Ist es das wert?“. Wenn ja, dann lebe damit und versuche, den Manipulator weiterhin unter Kontrolle zu halten, andernfalls solltest Du Dich besser frühzeitig von ihm verabschieden, bevor es ihm gelungen ist, sein Manipulationsnetz immer größer werden zu lassen, das ihn immer machtvoller und furchteinflößender werden lässt.

HINWEIS: Das komplette Buch bzw. ebook zur Blog-Serie kannst Du hier erwerben!

martin-schmidt

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.