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Mentale Stärke für Führungskräfte Teil 13: Kontrolliere den Wackeldackel in Dir!

Heute kümmern wir uns um den Wackeldackel in Dir. Dieser arme Kerl kommt einfach nicht zur Ruhe und ist in seinem Ausdruck fast immer von seiner Umgebung abhängig. Fährt sein Fahrer über eine unruhige Fahrbahn, ist er meistens von starken Emotionen geleitet und seine Körperspache wird entsprechend intensiv. Die schlechte Nachricht: irgendwie sind wir alle ein wenig Wackeldackel.

„Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Paul Watzlawick

Dieses Zitat hast Du mit großer Wahrscheinlichkeit schon öfter gelesen oder gehört. Es stammt von Paul Watzlawick, dem österreichisch-amerikanischen Kommunikationswissenschafter, der insgesamt fünf Axiome (Grundregeln) für die menschliche Kommunikation aufgestellt hat, von dem sich dieses hier im Laufe der Jahre zum Superstar entwickelt hat.

Was uns Herr Watzlawick damit sagen will: egal was wir tun oder auch nicht tun, wir drücken damit immer etwas aus. Wenn Du beispielsweise im Wartezimmer beim Arzt sitzt und die ganze Zeit auf den Boden oder in Dein Mobiltelefon starrst, dann drückst Du damit (nonverbal) aus, dass Du im Moment nicht möchtest, dass Du Deine Ruhe haben und von niemandem angesprochen werden möchtest.

Genau so ist es auch, wenn Du von einer Besprechung, die Dich sehr verärgert hat, zu Deinem Team zurückkehrst und Du diesen Ärger immer noch in Dir trägst. Deine Umgebung sieht Dir Deinen aktuellen Zustand sofort an.

Du sendest also immer ein Signal an Deine Umwelt!

Wenn Du den ganzen Tag mit runterhängenden Schultern und gesenktem Kopf durch die Gegend schlenderst, dann wirkst Du damit ziemlich mutlos und machst auf Dein Team keinen selbstbewussten Eindruck.

Ein kleiner Selbstversuch: stelle Dich einmal vor einen (Ganzkörper-)Spiegel und versuche, eine selbstbewusste Körperhaltung einzunehmen. Fällt es Dir schwer? Das könnte daran liegen, dass das nicht Deine natürliche Haltung ist!

Im Allgemeinen weist Deine Umwelt folgenden Faktoren den Zustand „selbstbewusste Person“ zu:

  • Schulterbreiter Stand (dabei ist das Körpergewicht gleichmäßig auf beide Füße verteilt und das Gewicht wird nicht nach rechts oder links verlagert).
  • Herausgestreckte Brust
  • Gehobener Kopf
  • Die Hände befinden sich neben dem Körper und nicht in Taschen

Nachdem Du nun diese Faktoren kennst, versuche den Selbstversuch vor dem Spiegel noch einmal zu wiederholen. Die Haltung wird Dir am Anfang wahrscheinlich ein wenig unnatürlich vorkommen. Aber vermutlich wird sich irgendetwas in Dir doch irgendwie „besser“ oder zumindest „anders“ fühlen. Es ist auch hier, wie bei vielen anderen Dingen, die ich Dir im Zusammenhang mit der mentalen Stärke erklärt habe: Übung macht den Meister. Versuche also, so oft wie möglich, diese Körperhaltung einzunehmen.

An dieser Stelle ein kleiner Warnhinweis: übertreibe es nicht! Es geht nicht darum, dass Du aussiehst wie Buzz Lightyear aus Toy Story (Obwohl der wirklich eine beneidenswert selbtbewusste Haltung hat). Versuche daher immer noch, diese Haltung möglichst natürlich einzunehmen. Ansonsten läufst Du nämlich Gefahr, dass Dich Deine Umwelt als inkongruent wahrnimmt. Das bedeutet, Deine Körpersprache und Deine Ausstrahlung passt nicht zu Deinen sonstigen Signalen (wie beispielsweise Deinen gesprochenen Wörtern), die Du sendest.

Ein Beispiel dazu: wenn Dich jemand fragt, wie es Dir geht und Du antwortest mit „Bestens!“, machst dabei aber ein Gesicht, als ob letzte Woche Deine Katze gestorben ist, dann nimmt Dir das „Bestens!“ einfach keiner ab.

Übe also die selbstbewusste Haltung ruhig eine Zeit lang alleine vor dem Spiegel, bevor Du sie auf Deine Umgebung loslässt. Natürlich gibt es neben der „klassischen“ Körpersprache noch ein paar weitere Faktoren, die wichtig sind und auf die Du acht geben solltest. Zum Beispiel: Blickkontakt.

Blickkontakt erzeugt so starke zwischenmenschliche Verbindungen, dass sie sogar bei Fotos und Zeichnungen von Augen bestehen bleiben!

Doch auch hier ist es wie mit dem richtigen würzen von Speisen: Zu wenig schmeckt nicht, zu viel ist meistens katastrophal. Während zu wenig beim Gegenüber als schüchtern und unsicher empfunden wird, wird zu viel als aggressiv oder Einschüchterungsversuch gewertet. Die goldene Mitte dagegen fördert Vertrauenswürdigkeit und Sympathie.

Im Normalfall haben aber die meisten von uns eher das Problem, dass sie zu wenig Blickkontakt mit ihren Mitmenschen haben (und halten können). Daher auch an dieser Stelle eine kleine Übung. Veranstalte mit zwei bis drei wirklich guten Freunden von Dir „Blickbattles“. Versucht hier wirklich, so lange wie möglich den Blick zu halten. Das kann anfangs extrem unangenehm sein, doch auch hier gilt: Training, Training, Training.

Eine ebenso wichtige Rolle in deiner Außenwahrnehmung spielt Dein Gang. Hier gilt: langsame Bewegungen strahlen Selbstsicherheit und Ruhe aus. Und weil wir heute schon so schön beim Üben sind, auch hier eine kleine Übungsanleitung:

Stell Dir einmal vor, Du bist König oder Königin von England und schreitest zum Thron.

Mache einmal bewusst ein paar Meter in diesem Modus und fühle in Dich rein, wie es Dir dabei geht. So, und jetzt kehre langsam wieder auf den Boden der Realität zurück und vergleiche das mit dem Gang, den Du im Alltag verwendest.  Die Kunst ist nun wieder einmal, den Mittelweg zu finden. Also weder Queen Elizabeth noch Charlie Brown.

Ok, wenn Dir das nicht weiterhilft, hier noch ein paar Merkmale, die beim Gehen auf Deine Umwelt selbstbewusst wirken:

  • Aufrechte Grundhaltung (Oberkörper gerade und aufrecht)
  • Blick ist nach vorne gerichtet
  • Eher größere Schritte
  • Füsse setzen sicher auf
  • Arme begleiten den Schritt im gleichen Rhythmus

Zum Schluss noch eine kleine Bitte: ich weiß, dass einen das ein wenig verrückt machen kann, wenn man sich selbst ständig beobachtet. Arbeite daher täglich mit den beschriebenen Übungen an Dir, aber übertreibe es nicht mit der Selbstbeobachtung im Alltag. Vertraue darauf: alleine durch das regelmäßige Training wird es im Alltag ganz wie von selbst besser. Was Du aber ab sofort tun kannst und solltest: beobachte andere Leute in ihrem Auftritt. Das birgt einerseits ebenfalls ein großes Lernpotential in sich und bringt andererseits noch jede Menge Spaß.

martin-schmidt

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