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Mentale Stärke für Führungskräfte Teil 2: Monkey Management oder „was ich unter mentaler Stärke verstehe“

In den 60er-Jahren hat sich der amerikanische Psychologe Martin Seligman dem Phänomen der „erlernten Hilflosigkeit“ gewidmet und dabei einige Experimente durchgeführt.

Unter anderem gab es einen berühmten Versuch, der mit Affen in einem Käfig durchgeführt wurde. Dabei wurden fünf Affen in einem Käfig gehalten, in dem sich eine hohe Stange befand, an deren oberen Ende eine Bananenstaude aufgehängt war. Die Klettergeschicklichkeit ermöglichte es den Affen, an der Stange raufzuklettern und sich eine oder mehrere von den Bananen zu holen.

Doch jedes Mal, wenn ein Affe den Versuch startete, wurde er von einem der Versuchsleiter mit einem Wasserschlauch mit kaltem Wasser nassgespritzt (Nur zur Sicherheit: an dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass ich ein ausdrücklicher Gegner von Tierversuchen bin). Nach mehreren Kletterversuchen haben es irgendwann alle fünf Affen kapiert und kletterten nicht mehr die Stange hinauf. Sie kannten ja das Ergebnis und wollten nicht weiter mit kaltem Wasser bespritzt werden.

Dann begann man damit, die Affen im Käfig nach und nach auszutauschen. Es wurde also einer der Affen aus der Stammcrew entfernt und ein neuer Affe kam in den Käfig. Du kannst Dir sicher denken, was passiert ist: der „Neue“ wollte sich natürlich die Bananen holen. Und was haben die anderen Affen gemacht? Klar, sie haben ihn versucht, daran zu hindern und wollten ihm die schmerzhafte Erfahrung ersparen (an dieser Stelle unterscheiden sich die Affen von vielen Menschen…). Und der „Neue“ hat es irgendwann kapiert und hat auch keinen Versuch mehr gestartet, sich die Bananen zu sichern.

Irgendwann waren alle Affen aus der Erstbesetzung ausgetauscht und im Käfig befanden sich nur noch Affen, die noch nie persönlich mit dem Schlauch bespritzt wurden. Dennoch startete keiner einen neuen Versuch. Und genau das versteht Martin Seligman unter dem Phänomen der erlernten Hilflosigkeit.

Was hat der ganze Affenkram jetzt mit Führungskräften und mentaler Stärke zu tun?

Ganz einfach: auf jeder Arbeitsstätte, in jeder Hierarchie-Ebene befinden sich ganz viele dieser Affen. Man erkennt sie ganz leicht an einer ganz bestimmten Aussage:

„Das haben wir immer schon so gemacht!“

Genau das ist die moderne Variante der Affen, die nicht mehr auf die Stange klettern. Und mentale Stärke bedeutet aus meiner Sicht das genaue Gegenteil:

Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat es einfach gemacht.

Mental stark sein bedeutet, gedanklich stark zu sein. Denn letztendlich sind es die Gedanken, die entscheiden, ob man durchhält oder aufgibt, ob man Herausforderungen annimmt oder sich ständig über diese beklagt, ob man am Ende gewinnt oder verliert.

Man kann es auch mit einem Computer vergleichen. Der besteht zunächst einmal aus ein paar Teilen, der sogenannten Hardware. Umgelegt auf den Menschen ist die Hardware der Körper. Und dieser will gewartet werden: mit Schlaf, Ernährung, Regeneration, Wartung und gelegentlicher medizinischer Betreuung. Das ist die Voraussetzung, dass er lange und gut funktioniert.

Die beste Hardware nützt aber nichts ohne gute Software. Umgelegt auf den Menschen ist die Software die genetische Voraussetzung, die ich mitbringe, also meine Talente. Im Laufe der Zeit habe ich mir neben meinen Grundtalenten natürlich auch ein paar weitere kleinere Programme geschrieben, also ein paar weitere Stärken erlernt und diese durch Training und Übung in mehreren Releases weiterentwickelt.

Was einem guten Computer jetzt noch fehlt, sind die geeigneten Verbindungen zwischen Hard- und Software – also die Schnittstellen. Umgelegt auf den Menschen stellen genau die den Mentalbereich dar.

Schlechte Schnittstellen führen zu Angst, Erschöpfung und Niedergeschlagenheit. Gute Schnittstellen bringen Spaß, Selbstvertrauen, Entschlossenheit und eine kämpferische Einstellung. Und sie können gut mit Niederlagen umgehen. Denn Niederlagen führen zunächst immer zu Entmutigung. Mental starke Menschen, also jene mit guten Schnittstellen, stecken diese Niederlagen schnell weg, mental schwache Menschen stecken in der Niederlage fest und bringen keine Leistung mehr.

Mentale Stärke bedeutet also schlicht und einfach nichts anderes, als die Limits in Deinem Kopf zu löschen.

Zum Abschluss möchte ich Dir in diesem Zusammenhang vom Roger-Bannister-Effekt erzählen: Herr Bannister hat es am Donnerstag, den 6. Mai 1954 geschafft, als erster Mensch die Meile (umgerechnet 1.609 Meter) unter 4 Minuten zu laufen.

Bis dahin hielt seit 1945 der Schwede Gunder Hägg die Bestmarke mit 4:01,4 Minuten. Es galt damals als unmöglich, die 4-Minuten-Schallmauer zu unterbieten und jahrelang bissen sich viele Läufer die Zähne daran aus.

Es war also schon erstaunlich genug, dass Bannister letztendlich die Marke knacken konnte. Viel spannender war jedoch, was danach passiert ist: denn schon 5 Wochen später wurde der Rekord von John Landy geknackt. Und in den darauffolgenden Jahren durchbrachen etliche Läufer die 4-Minuten-Schallmauer.

Gab es einen neuen Laufstil oder eine neue Wunderdroge? Nein – das einzige, das sich geändert hat, war der Glaube und die Überzeugungen der Läufer. Roger Bannister hat nicht nur die Schallmauer geknackt – er hat darüber hinaus auch noch die Denkblockade in den Köpfen der anderen Läufer gelöst.

Sei wie Roger, löse auch Du die Denkblockaden in Deinem Kopf und in denen Deiner Mitarbeiter.

martin-schmidt

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