0

Umgang mit Stinkstiefel Teil 2: Der Tyrann

Tyrannen quälen und verschrecken andere Menschen. Wenn Du an Deine Schulzeit zurückdenkst, kannst Du Dich sicher auch an den einen oder anderen Mitschüler erinnern, der die anderen eingeschüchtert und tyrannisiert hat. Das Problem: auch diese Typen sind irgendwann erwachsen geworden und befinden sich jetzt mit großer Wahrscheinlichkeit auf irgendeinem Arbeitsplatz.

Tyrannen können männlich, weiblich, dick, dünn, groß und klein sein. Manche von ihnen quälen nur ein oder zwei Kollegen und lassen den Rest der Belegschaft in Ruhe. Das sind die Wölfe im Schafspelz. Als Außenstehender ist man dann oft überrascht, wenn man das Verhalten der Wölfe am Opfer einmal mitbekommt, weil sie sonst so einen netten Eindruck machen.

Dann gibt es auch noch diejenigen, denen es egal ist, wer gerade ihr aktuelles Opfer ist. Es kann dabei den Vorgesetzten genauso wie den Kollegen oder auch den Kunden treffen. Da werden schon einmal Türen zugeknallt oder der Ton wird etwas rauer, ohne dass der Tyrann dadurch in Verlegenheit gerät oder gar Unrechtsbewusstsein erkennt.

Egal, ob jemand neu im Unternehmen oder schon ein alter Hase ist – eines ist sicher: wenn sich ein Tyrann in Deinem Umfeld befindet, dann ist der Ärger nie weit weg. Daher ist es wichtig, dass Du weißt, wie Du mit diesen Personen umgehen musst, um eine harmonische und produktive Arbeitsumgebung zu schaffen. Im Extremfall bleibt der „unbehandelte“ Tyrann nämlich nicht bei seinen verbalen Entgleisungen, sondern wird sogar gewalttätig.

Beispiel:

Karin geht jeden Tag um 11 Uhr aus dem Büro und macht eine Stunde Mittagspause.

Ihre Kollegin Sandra fragt sie eines Tages, ob sie die Pause in den nächsten Tagen nicht etwas nach hinten verschieben könnte, da ein wichtiger Kunde jeden Tag um 11 Uhr eine E-Mail mit einer wichtigen Bestellung schickt, die bis 12 Uhr fertig bearbeitet werden muss, damit die Auslieferung der Waren noch am gleichen Tag erfolgt.

Als Karin die Bitte von ihrer Kollegin hört, platzt ihr (wieder einmal) der Kragen: „Das kann doch nicht sein, dass ich wegen diesem Idioten meine Pause verschieben muss. Und Du hast natürlich wieder einmal zugesagt, weil Du nicht nein sagen kannst. Vielleicht solltest Du Deine Mami anrufen, damit sie Dir mit den Bestellungen hilft, alleine bekommst Du ja gar nichts auf die Reihe!“. Danach stürmt Karin aus dem Büro und auch, als sie wieder von der Mittagspause zurückkommt, bleibt die Stimmung eisig und die beiden sprechen kein Wort miteinander.

Auch am nächsten Tag geht Karin wieder um 11 Uhr auf Pause. Sandra sagt kein Wort mehr dazu, weil sie sich weitere Attacken von Karin ersparen will. Sie wartet auf die E-Mail des Kunden und bearbeitet sie dann schnell vor der Deadline.

Welche Schäden richten Tyrannen an?

  • Verspannungen, Kopfschmerzen und andere Krankheiten gedeihen in dieser konfliktgeladenen Umgebung. Eine logische Folge sind Abwesenheiten der Mitarbeiter durch echte oder vorgeschobene Krankenstände.
  • Wichtige Prozesse, in denen eventuell das 4-Augen-Prinzip erforderlich ist, entfallen aufgrund der persönlichen Spannungen und es kommt zu einer erhöhten Fehlerquote.
  • Auch Kunden „spüren“ letztendlich die feindselige Stimmung und werden sich gut überlegen, ob sie ihr nächstes Geschäft noch hier machen möchten. Verkäufe und Umsätze gehen also verloren.

Welche konkreten Handlungsempfehlungen gibt es für den Umgang mit Tyrannen?

  • Versuche, nicht aus jedem Gefühlsausbruch eine Schlacht zu machen. Manchmal hilft schon ein einfacher Schritt, um die Sache aus dem Weg zu schaffen. Sandra könnte beispielsweise ihre Vorgesetzte fragen, ob es auch ok wäre, wenn die Bestellungen erst um 13 Uhr fertig sind. Wenn sie damit einverstanden ist, ist die Sache aus der Welt.
  • Versuche, einen Lösungsvorschlag zu finden, der die Situation verändern kann. Sandra schlägt eine gemeinsame Kaffeepause kurz vor Einlangen der Bestellungen um 10 Uhr vor. Das sollte es für Karin einfacher machen, die Mittagspause ein wenig zu verschieben. Was Sandra nicht weiß: Karin muss regelmäßig Medikamente einnehmen und muss dafür etwas im Magen haben. Durch ihren Vorschlag hat sie somit einen guten Treffer gelandet und beide sind zufrieden. Sie hat sich nicht auf das „Warum“ konzentriert, sondern einfach versucht, eine Veränderung der Situation herzustellen. Wenn Karin jetzt einverstanden ist, dann ist die Situation entschärft.
  • Biete mehr als eine Lösung an. Sandra bietet Karin an, die Bestellungen alleine zu bearbeiten, wenn sie dafür unmittelbar nach der Pause noch einmal die Endkontrolle nach dem 4-Augen-Prinzip vornimmt, um sicherzugehen, dass sich keine Fehler eingeschlichen haben. Alternativ bietet sie ihr noch an, dass sie beide um 11.30 Uhr nur eine halbe Stunde Pause statt der üblichen Stunde machen und dafür beide eine halbe Stunde früher nach Hause gehen können. Wenn der Chef damit nicht einverstanden ist, können wir uns auch abwechseln mit der zeitigen Mittagspause. Du entscheidest. Für mich sind alle Möglichkeiten ok.
  • Suche Dir Hilfe! Wenn Karin weiter an ihrem tyrannischen Verhalten festhält, bleibt Sandra nichts anderes übrig, als sich Hilfe im Unternehmen zu suchen. Diese kann beispielsweise vom direkten Vorgesetzten oder der Personalabteilung erfolgen. Im ersten Schritt kann die Situation ja auch noch anonym geschildert werden, ohne Karin namentlich zu erwähnen. Wenn Karin ihr Verhalten jedoch langfristig nicht ändert, müssen die Karten auf den Tisch.
  • Als Führungskraft: Sprich eine klare Verwarnung aus! Wäre Sandra die Führungskraft von Karin bzw. hat die Führungskraft der beiden die Situation mitbekommen, sollte sie ihr klarmachen, dass ihr Verhalten ziemlich daneben war und sich ein Vorfall wie dieser nicht wiederholen darf. Vorsicht ist natürlich bei besonders aggressiven Zeitgenossen geboten. In diesem Fall sollte das Gespräch mit Unterstützung einer weiteren Person geführt werden oder zumindest jemand davon in Kenntnis gesetzt werden.

Zusammenfassend:

Mach Dir keine Gedanken darüber, warum ein Tyrann manipulativ ist, lügt oder herumschreit. Das ist der Job eines Psychologen. Und es ist auch nicht Dein Job, den Tyrannen zu verändern oder zu „heilen“. Dein Job ist es, in Deiner Arbeitsumgebung dafür zu sorgen, dass Mitarbeiter kein unakzeptables Verhalten an den Tag legen. Auf manche Übertretungen muss man nicht sofort reagieren, aber in solchen Fällen ist es erforderlich! In dem Moment, wo Du bemerkst, dass irgendjemand andere einschüchtert, verschreckt oder quält, musst Du handeln. Wenn es notwendig ist, ziehe Deinen eigenen Vorgesetzten zu Rate und „manage“ das Problem so lange, bis die Harmonie im Büro wieder hergestellt ist und sich niemand mehr bedroht fühlt. Alles andere ist unakzeptabel.

martin-schmidt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.