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Von jungen Stieren und alten Eseln – wie sie sich als junge Führungskraft Respekt verschaffen.

Die Fokusgruppe Führung auf Facebook wächst und gedeiht sehr zu meiner Freude. Viele neuangemeldete Mitglieder beschäftigt dabei oft die gleiche Frage:

Wie setze ich mich als junge Führungskraft bei meinen älteren Kolleginnen und Kollegen durch?

Das Senioritätsprinzip ist immer noch ein wichtiger Teil in unserer Kultur und auch in den meisten Unternehmen noch fest verankert. Die ältere Person gilt als übergeordnet oder wird zumindest so empfunden. Gegen dieses Bild gilt es, als junge Führungskraft anzukämpfen.

Das Problem ist dabei in den meisten Fällen nicht das Fachwissen, sondern die menschliche Ebene. Ein paar Alteingesessene aus der Meckerecke untergraben ständig die Autorität, ohne dabei aber selbst nur die geringste Bereitschaft zu zeigen, auch einmal Verantwortung zu übernehmen oder zumindest einmal einen vernünftigen Vorschlag einzubringen.

Das ist ein harter Kampf und kann auf Dauer ziemlich zermürbend sein. Vor allem für Leute, die den Drang haben, es immer allen recht machen zu wollen. Das ist als Führungskraft grundsätzlich keine gute Idee, weil es auf Dauer einfach nicht möglich ist und dabei meistens einer auf der Strecke bleibt oder ins Burnout schlittert: Du! Sollte das also auch bei dir der Fall sein, solltest du dazu übergehen, vom „People Pleaser“ zum „Principle Pleaser“ zu werden.

Vom „People Pleaser“ zum „Principle Pleaser“

Du solltest also zunächst einmal damit beginnen, Dir Deine eigenen Führungsprinzipien zurechtzulegen und vor allem auch danach zu handeln. Mit diesen Prinzipien wirst Du für Dein Team einschätzbar und jeder weiß, welche Handlungen welche Konsequenzen zur Folge haben.

Ein paar Beispiele für Führungsprinzipien:

  • Ich höre meinen Mitarbeitern aktiv zu.
  • Ich kommuniziere ganz klar meine Erwartungen.
  • Ich sage bitte, wenn ich etwas haben möchte und danke, wenn ich etwas bekomme.
  • Ich vertraue meinen Mitarbeitern.
  • Meine Mitarbeiter dürfen auch Fehler machen.
  • Ich kritisiere ausschließlich im persönlichen Zwie-Gespräch.
  • Für gute Arbeit verteile ich Lob und Anerkennung.
  • Ich führe transparent. Meine Mitarbeiter bekommen alle wichtigen Informationen und ich erkläre meine Entscheidungen.
  • Ich habe ein offenes Ohr für meine Mitarbeiter und sie wissen, wann und wo sie mich erreichen können.
  • Ich stelle mich im Zweifelsfall vor meine Mitarbeiter und zeige ihnen auch, dass mir ihr Wohlergehen ein persönliches Anliegen ist.
  • Ich achte darauf, neue Mitarbeiter behutsam ins Team zu integrieren und sie nicht zu verheizen.

Respekt erhält man, wenn man ihn gibt!

Es ist doch so: jeder möchte für seine Arbeit respektiert werden. Da stellen die älteren bzw. alteingesessenen Kollegen keine Ausnahme dar. Wenn Du also verlangst, respektiert zu werden, dann respektiere auch andere im gleichen Ausmaß.

Oder anders ausgedrückt: nicht nur Du bist unsicher, auch die Alteingesessenen sind es, weil die Situation für sie eine Veränderung darstellt, von der sie noch nicht wissen, welche Konsequenzen diese für sie persönlich haben wird. Und wie reagieren die meisten Menschen auf Veränderung? Mit Abwehr!

Veränderung heißt immer: „Raus aus der Komfortzone!“ und darauf hat niemand Bock!

An dieser Stelle komme ich noch einmal zurück auf die Führungsprinzipien. Sie stellen nämlich die Basis für den Respekt dar. Loben, bitten, danken, anerkennen, fair kritisieren…so zeigst Du Deinen Mitarbeitern Respekt und nicht dadurch, dass du krampfhaft versuchst, Autorität aufzubauen, in dem Du den harten Hund raushängen lässt.

Respekt bekommst Du aber auch, indem Du die älteren Mitarbeiter in Deine Entscheidungsfindung einbeziehst. Das bringt ein paar zusätzliche Vorteile mit sich:

  • Vermutlich kommst Du zu einer besseren Lösung, auf die Du alleine so nicht gekommen wärst.
  • Du kannst Deine Entscheidung besser begründen.
  • Die Abwehrhaltung der älteren Kollegen nimmt ab, weil Sie direkt in die Entscheidungsfindung eingebunden waren. Das macht es schwer für sie, Stimmung gegen Dich zu machen.

Für Respekt gibt es ein Zauberwort: Konsequenz!

Die ältere Generation schätzt es nämlich durchaus, wenn jemand zu seinen Prinzipien steht und danach handelt, auch wenn es dann einmal vielleicht zu ihrem eigenen Nachteil ist.

Früher oder später wird es Grund zur Kritik an einen Mitarbeiter geben. Das ist die Chance für Dich, konsequent zu handeln.

Bei schlechten Leistungen geht es darum, die Motive und die Intention hinter den Handlungen des Mitarbeiters in einem persönlichen Gespräch zu erörtern und klare Erwartungen für die zukünftige Zusammenarbeit zu adressieren.

Bei einer klaren Missachtung einer Arbeitsanweisung bedeutet das, Haltung zu zeigen und die zuvor angedrohten Konsequenzen auch durchzuziehen. Das kann dann auch schon einmal eine mündliche oder schriftliche Abmahnung sein.

Ein Waffenstillstand ist auch keine Lösung!

Sich aus dem Weg zu gehen scheint auf den ersten Blick eine gute, aber vor allem bequeme Lösung zu sein. Doch auf Dauer fährt man damit als junge Führungskraft auch nicht gut. Denn unterschwellig vermittelt man der älteren Person damit, dass er es nicht mehr wert ist, dass man sich mit ihm beschäftigt. Seine Gedanken werden in etwa folgende sein: „Ok, meine Zeit hier ist abgelaufen. Ich gehöre wohl schon zum alten Eisen und niemand mehr legt hier Wert auf meine Expertise!“

Auch „die Alten“ waren einmal jung!

Eines muss man dabei auch berücksichtigen: auch der „Alte“ war einmal jung und hatte in seiner Sturm- und Drangphase wahrscheinlich ähnliche Situationen wie Du jetzt einmal umgekehrt erlebt. Das gute daran: grundsätzlich weiß er schon Bescheid, wie es Dir im Moment geht.

Die Kunst ist, dieses Wissen zu nutzen und so eine Art Entwicklungs-Symbiose aufzubauen. Die Führungskraft gibt Ziele vor, bietet aber auch Unterstützung bei der Umsetzung und sorgt vor allem dafür, dass aktuelles Wissen regelmäßig vermittelt und geschult wird und der langgediente Mitarbeiter bringt sein Fachwissen und seine Erfahrung mit ein und bewahrt das Team vor unnötigen Leerläufen und Fehlern.

Vom harten Hund zum zahmen Kätzchen: Menschen werden im Alter sensibler.

Das haben wohl schon viele erlebt: man wurde von seinen Eltern streng erzogen, nun hat man selbst Kinder und wenn die nun bei den Großeltern zu Besuch sind, bricht die Anarchie aus und genau die Eltern, die einem (gefühlt) alles verboten haben, lassen nun bei den Enkelkindern alles durchgehen.

Der Grund dafür ist die Alterssensibilität. Menschen werden im Alter einfach ein wenig sensibler. Das bedeutet aber auch, dass sie sensibler auf Kritik reagieren. Es gilt also, „vorsichtig“ zu formulieren und auch auf das positive Feedback nicht zu vergessen, um die mühsam erarbeitete Beziehungsbasis nicht wieder leichtfertig zu zerstören.

Den Königsweg gibt es nicht!

Klar wäre es schön, wenn es ein Patentrezept für diese Herausforderung gäbe, leider ist das aber nicht so. Dennoch: wenn Du Dich an den Tipps aus diesem Artikel orientierst, bist Du schon einen ordentlichen Schritt weiter.

Zum Abschluss: hab keine Angst, (fast) niemand ist von Natur aus böse und es gibt meistens einen Grund, warum Menschen auf bestimmte Art und Weise handeln. Gehe also den Ursachen auf den Grund und versuche sie gemeinsam mit dem Mitarbeiter zu beseitigen.

PS: falls sich jemand auf den Schlips getreten fühlt: der alte Esel, der junge Stier, der harte Hund und auch das zahme Kätzchen sind alle positiv und liebevoll gemeint. Ich bin ja mittlerweile selbst ein alter Esel!

martin-schmidt

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